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Predigt am 24. 12 2009 in Zella-Mehlis über Lukas 2,13-14

von Hans-Joachim Köhler

 

"Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:
Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens."

 

Liebe Christfestgemeinde!


Friede auf Erden, das ist ja so ein Menschheitstraum seit uralten Zeiten.

Wie sieht aber die Realität aus?

30 Kriege finden zur Zeit pro Jahr im Weltmaßstab statt, habe ich gelesen.
In den Familien wird der Erwartungsdruck gerade zu Weihnachten sehr stark. So stark, dass viele junge Menschen diese „friedliche Weihnacht“ gar nicht aushalten und in extreme „Weihnachtsfeiern“ flüchten.

Gehe ich eigentlich mit mir immer friedlich um, oder ist mein Herz mit mir nicht unruhig und oft unfriedlich?
Krankheit, Vereinsamung, Dauerstress, Arbeitslosigkeit Zurückgehen der eigenen Kraft, Abhängigkeit usw. kann mich „unfriedlich“ mit mir selbst machen. Die anderen spüren diese Unfreundlichkeit auch als Unfriedlichkeit  ihnen gegenüber.

Flüchten wir uns zum Christfest nicht in den Wunschtraum einer friedlichen Welt, der niemals wahr wird?

Ich kann schon Kritiker des christlichen Glaubens verstehen. Ich kann sogar verstehen, wenn Atheisten mit Karl Marx meinen, dass der Glaube oft aus dieser unfriedlichen Welt flüchten will, dass Christen so „Opium fürs Volk“ seien!
Aber stimmt dies auch wirklich?

Ist dies nicht nur eine einseitige Sichtweise auf die Situation der der „schlesischen Weber“ und der großen Veränderungen des 19. Jahrhunderts?

 

Weil Gott uns durch seinen Sohn Jesus Christus in der Krippe friedlich begegnet, setzt er eine „Friedensbewegung“ in unserer Welt in Gang, die sich auf das einzelne Leben, das Zusammenleben im kleinen Kreis und auch auf das Zusammenleben in der ganzen Welt auswirken kann.


Konflikte wird es weiter geben, aber sie können gelöst werden. Ungelöste und nicht ausgetragene verdrängte Konflikte sind die Grundlage für viele Eskalationen im Zusammenleben von Menschen.


Das Kind in der Krippe ermöglicht uns eine Deeskalation in unserem Leben.

Wir dürfen uns mit unseren Betrachtungen über den Frieden in der Welt  in dieses Geschehen der Heiligen Nacht mit hinein nehmen lassen.

 

Wir feiern den Geburtstag unseres Herrn Jesus Christus.

Gottes Sohn wird nun der Mensch Jesus, der in diese konfliktbeladene Welt hineingeboren wird.

Er wird der Mensch, der das Vorbild für das Menschenbild des Menschen ist.

Er wird der Mensch, der darüber hinaus das Bild Gottes in unser Menschenbild hineinleuchtet.
Und er wird der Mensch, der die Menschwerdung des Menschen erst ermöglicht.


Der Mensch ragt nach dem Biblischen Menschenbild aus der Schöpfung Gottes heraus, weil Gott ihn als sein Gegenüber, als Mensch geschaffen hat. Die Bibel erzählt in 1. Buch Mose wie diese Konflikte zu den Menschen in unsere Welt kamen.

Trotzalledem: Als Mensch können wir über das konfliktgeladene Geschöpf hinaus den Schöpfer erkennen und in dem Kind in der Krippe den Menschensohn, der beide Dimensionen des irdischen „friedlosen“ und des himmlischen „friedlichen“ Lebens zusammenführt.

 

Unsere Kirchtürme und Taufsteine haben ein besonderes Symbol der 8 in ihrem Aufbau. 

In dieser  Acht sind zwei verschlungene Kreise,  die eigentlich nur ein verdrehter Kreis sind.

Dieses Symbol zeigt die Verbundenheit der himmlischen und der irdischen Dimension.

Zu Weihnachten sind beide Dimensionen des Lebens schon vorhanden, aber die Acht ist noch nicht vollkommen geschlossen.

Der Menschensohn ist Mensch geworden, aber das Kreuz des Karfreitages schließt erst die Kreise der „Unendlichen“ mit der „Endlichen Welt“ zusammen. Davon hören wir dann aber in der Passions- und Osterzeit.

 

Wir dürfen aber bis dahin schon in jedem Gottesdienst an dieser neuen Dimension des göttlichen Friedens teilhaben und in das Lob der Engel mit einstimmen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“


Wir wünschen uns allen dazu eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit als Menschen des Menschensohnes Jesu.

 

Amen
 

Hans-Joachim Köhler, Oberpfarrer i. R. | hansjoachimkoehler@msn.com